Unternehmensbewertung im Zugewinn – Welche Bewertungsmethode ist die „richtige“?

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Dipl.-Kfm. Jan König, Steuerberater, CVA, Bonn

Methoden zur Bewertung von Unternehmen gibt es zahlreiche. Die ganz im Vordergrund stehende Bewertungsmethode ist heute die Ertragswertmethode. Getreu dem Motto „Für das Gewesene gibt der Kaufmann nichts“ liegt der Ertragswertmethode die Erkenntnis zugrunde, dass der Wert eines Unternehmens von seiner Fähigkeit bestimmt wird, seinem Eigner in Zukunft finanziellen Nutzen zu verschaffen.

Dominierend bei rechtlichen Bewertungsanlässen ist die Ertragswertermittlung nach den standardisierten Grundsätzen des IDW S 1. Der IDW S 1 legt vor dem Hintergrund der in Theorie, Praxis und Rechtsprechung entwickelten Standpunkte die Grundsätze dar, nach denen Wirtschaftsprüfer Unternehmen bewerten. Seine Bedeutung beruht weder auf gesetzlichen Regelungen noch auf Vorgaben der öffentlichen Verwaltung, sondern auf seiner breiten Akzeptanz in der Bewertungspraxis und Rechtsprechung. 

Der Liquidationswert stellt wirtschaftlich die Wertuntergrenze dar und ist in der Regel dann anzusetzen, wenn der Barwert der finanziellen Überschüsse, die sich bei Liquidation des gesamten Unternehmens ergeben, den Fortführungswert übersteigt. Der Substanzwert hingegen stellt keinen brauchbaren Anhaltspunkt für den Unternehmenswert dar. Die vorhandenen Vermögenswerte eines Unternehmens sind lediglich Mittel zum Zweck, finanzielle Überschüsse zu erwirtschaften. Dies entweder im Rahmen einer Fortführung oder einer Liquidation.

Mit dem Irrglauben, dass eine Ertragswertermittlung nach den Grundsätzen des IDW S 1 für inhaberabhängige/personenbezogene Unternehmen nicht möglich ist, hat sich im Familienrecht die „modifizierte Ertragswertmethode“ etabliert. Im Gegensatz zu einem „reinen Ertragswert“ wird hierbei auf einen überholten Wertansatz zurückgegriffen: der Vermischung von Substanzwert und Ertragswert. Insbesondere die explizite Verwendung des Substanzwertes wird in der Betriebswirtschaftslehre jedoch abgelehnt. Auch die Ermittlung des ertragsorientierten „Goodwills“ ist kritisch zu sehen, da zum einen die separate Ermittlung eines Goodwills methodisch nicht möglich ist und zum anderen bei dessen Berechnung auch noch regelmäßig auf Vergangenheitsergebnisse abgestellt wird. 

Ein ähnliches Verfahren existierte früher im Steuerrecht. Das sog. Stuttgarter Verfahren basierte ebenfalls auf einem Mix aus Substanz- und vergangenheitsorientiertem Ertragswert. Mangels Eignung zur Ermittlung von Verkehrswerten (s. a. BVerfG) wurde dieses jedoch mittlerweile ersetzt.

Neben der abzulehnenden Bewertungsmethodik fehlt es der mod. Ertragswertmethode auch an einem entsprechenden Grundrahmen. Eine Bewertung nach der mod. Ertragswertmethode eröffnet den Sachverständigen weitgehende Spielräume bei der Bestimmung der wertrelevanten Parameter (Überschüsse, Kapitalisierungszinssatz, Substanzwert etc.). Um den grundsätzlich subjektiven Elementen der Unternehmensbewertung einen Grundrahmen vorzugeben, bedarf es gerade bei strittigen Bewertungsanlässen jedoch eines Regelwerks (wie bspw. dem IDW S 1), welches allgemeine Grundsätze zur Wertermittlung enthält.

Der modifizierte Ertragswert hat – gegenüber komplexeren und genaueren Ertragswertermittlungen – lediglich einen Vorteil: er ist einfach zu berechnen. Es stellt sich jedoch die Frage, welche Eigenschaften bei der Bestimmung eines Zugewinnausgleichs vorrangig sein sollten: einfach und methodisch falsch oder standardisiert und den Erkenntnissen der Betriebswirtschaft folgend.

Dieser Text wurde veröffentlicht im BRAK Magazin, Ausgabe 4/2019. Das gesamte Heft kann hier abgerufen werden: www.brak-mitteilungen.de

Veranstaltungen zum Thema im DAI:

Schnittstellen Familienrecht und Steuerrecht

28. September 2019 · Kiel

Referentin: Renate Perleberg-Kölbel, Rechtsanwältin, Fachanwältin für Familienrecht, Fachanwältin für Steuerrecht, Fachanwältin für Insolvenzrecht, Mediatorin, Wirtschaftsmediatorin, Hannover

Scheidung von Selbständigen und Einzelunternehmern

17. Dezember 2019 · Bochum

Referent: Mathias Volker, Vors. Richter am Oberlandesgericht, Celle

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